Performance Capture und Uncanny Valley: Was steckt dahinter und wann ist es erfolgreich?

Geschrieben am 22.11.2011

Spätestens seit Herr der Ringe weiß man zumindest in Ansätzen, dass 3D Animation mit Schauspielern beeindruckende Effekte auf der Kinoleinwand erzielen kann, seitdem haben Flops wie „Mars needs Moms“ jedoch gezeigt, dass es auch seine Grenzen hat.

Eigentlich bezieht sich Performance Capture nicht auf 3D Filme alleine, vielmehr geht es darum, Bewegung von Lebewesen oder Dingen aufzuzeichnen und digital fest zu halten. So lassen sich in der Technik beispielsweise dadurch Bewegungen von Menschen auf Roboter übertragen.

Was passiert beim Performance Capturing?

Im 3D Bereich geht es vor allem darum, Bewegungen von Schauspielern so realistisch wie möglich aufzunehmen, um sie dann auf Figuren zu projizieren, deren Umsetzung für die Maske oder Technikabteilung zu aufwändig zu bewältigen wäre, bzw. die animiert realistischer wirken.

Hierbei sind vor allem kleine Details wie Mimik und Fingerbewegungen die Dinge, die Performance Capture weit von normaler Animation unterscheiden.

Dabei werden Sonden an den wichtigsten Stellen an Körper und Gesicht befestigt (also an den Gliedern), mittlerweile tragen sie dafür Anzüge (die ähnlich wie Taucheranzüge aussehen), eine am Kopf befestigte Kamera nimmt die Gesichtszüge auf und wird dann auf dem Computer übertragen. Je mehr Kameras um die Schauspieler herum aufgebaut sind, desto genauer können die kleinsten Gesten aufgenommen und übertragen werden.

Eines der größten Hindernisse beim Filmen von Performance Capture ist die sogenannte „Uncanny Valley“, ein psychologisches Phänomen, das dafür sorgte, dass „der Polarexpress“ teilweise eher Abneigung hervor rief und viele Leute den eigentlich allseits beliebten Tom Hanks als animierten Lockführer gruselig fanden.

Uncanny Valley

Woran liegt es? Studien nach reagiert der Mensch sympathisierend mit Wesen – selbst Robotern – die Ähnlichkeit mit Menschen haben, was auch ähnliche Verhaltensweisen, Eigenschaften, sprich, Vermenschlichung beinhaltet. Dieses Verhalten steigt proportional mit dem Grad der Ähnlichkeit. Allerdings gibt es ein Tal in dieser Diagonale, das an einem Punkt einsetzt, an dem beispielsweise der Roboter schon sehr ähnlich dem Menschen aussieht. Genau da schwenkt die Empathie und die Sympathie plötzlich um und der Mensch fühlt sich abgestoßen von der allzu ähnlichen Darstellung, die eben nicht ganz Mensch ist, sondern so wirkt, wie eine krude Darstellung. Während also Wally ein allgemeines „Aw“ in uns hervor ruft, ist das tanzende Baby aus „Ally McBeal“ Stoff, aus dem Albträume sind.

Noch kann man sich nicht genau einen Reim daraus machen, warum das der Fall ist, allgemein wird jedoch davon ausgegangen, dass es damit zu tun hat, dass die Tatsache, dass man einen Objekt, das menschlich agiert, ohne Mensch zu sein, immer noch als Objekt von Menschen unterscheiden kann. Wenn jedoch ein Objekt wie ein Mensch aussieht, aber nicht so reagiert, dann wird unsere Erwartungshaltung gestört. Da viele Roboter in diesem Bereich teilweise auch noch wie Leichen aussehen, da sie oftmals die Mimik von Menschen vermissen lassen, beunruhigen sie uns außerdem auf einem unterbewussten, fast schon evolutionären Level.

Beim „Polarexpress“ und „Mars needs Moms“ sorgte genau diese Ähnlichkeit für Unmut vieler Animationsfans, da eine mangelnde Liebe im Detail auch noch dafür sorgte, dass beide Filme kalt und unnahbar wirkten.

Bei „Avatar“ konnte genau das verhindert werden, da Cameron von dem Phänomen wusste und darauf achtete, dass die Navi eben nicht in diese Kurve fallen würden. Gleiches galt für Gollum in „Herr der Ringe“, der – nicht zuletzt durch Andy Serkis’ grandioser Darbietung – selbst als Fisch fressendes Monster für Mitleid sorgte.

Performance Capture kann die Zukunft der 3D Animation im Filmbereich sein, allerdings hat die Erfahrung gezeigt, dass sie eher im Bereich der realen Filme als Ersatz für Masken und Puppen funktionieren, also auch für Figuren, die nicht menschlich sein sollen, lediglich Wesenheiten sind, die menschliche Qualitäten haben. Weniger funktioniert dies im völlig animierten Bereich, nicht zuletzt, weil Performance Capture noch nicht soweit ist, völlig real wirkende Gesichter zu kreieren. Ein Navi oder ein Gollum sind nicht abstoßend, weil sie auch nicht Menschen darstellen sollen, weshalb ihr Anders sein zur Story passt, wohingegen die Figuren in den erwähnten Animationen den Anspruch erhoben, lebensechte Menschen 1:1 darzustellen, ohne sie – wie etwa im kommenden Pixar-Film “Brave” – so weit künstlerisch zu gestalten, dass sie offensichtlich Cartoons sind, allerdings Cartoons, die einem von der Leinwand aus anspringen könnten. Mehr Forschung in diesem Bereich und eine clevere Nutzung der Technik bis dahin (etwa in „Tim und Struppi“, wo Tim trotz herausragender Animation immer noch den Trickfilmcharakter beibehält) kann Performance Capture zur Zukunft des 3D und Animationskinos werden lassen.

Verwandte Beiträge

Kommentar schreiben
Name

E-Mail (wird nicht veröffentlicht)

Webseite (optional)

Nachricht